Im Teenieparadies Airlie Beach – auf der Suche nach Ess- und Hoerbaren

Gestern Nachmittag sind wir im Teenieparadies Airlie Beach angekommen. In einem Riesenbackpacker mit Namen Magnums direkt an der sehr kurzen aber lauten Flaniermeile haben wir eingecheckt. Das Hostel auf dem Berg mit Meerblick war ausgebucht. Den Wagen mussten wir am anderen Ende der Stadt parken. Das Zimmer ist sehr klein: In einem ca. 6qm Zimmer steht in der Mitte eine Etagenbett, um das man sich mit dem Ruecken zur Wand winden muss, um zum Kuehlschrank zu kommen wo sich das Bier befindet und eine Wasserflasche fuer Anne. Aber wenigstens gibt es einen Kuehlschrank. Die kleinen Haeuser mit den Zimmern liegen in einem regenwaldaehnlichen Busch mit Palmen und Bananenbaeumen genuegend weit weg von der lauten Strasse. Doch ganz huebsch. Vor dem Pfad mit den umliegenden Hostelgebaeuden befindet sich direkt an der Strasse zahlreiche Baenke und Tische, Billartische, Tourbuchungskioske, Fastfood Buden und eine Bar zum Bier bestellen. Hier tummeln sich Teeniebackpacker und taetowierte moechtegern Rocker.

Am Abend geben die Froesche im Hostelpark ihr Bestes und quaken im Takt zur Backpacker Musik, denn im Nachbarhaus hatte einer White Stripes aufgelegt. Einige Backpacker haben sich auf die Terassen ihrer Haeuser begeben, Bier, Wein getrunken und ihre eigene Musik aufgelegt. Wohl um den sehr schlechten australischen Musikgeschmack der Bars der Flaniermeile zu entkommen. Hier wird eine Mischung aus 80er australischer Rock und Country gespielt, in manchen Clubs Hinterwaeldler House wie wir es bis jetzt in allen Orten der Ostkueste erleiden mussten. Da gibt es Bands, von denen habe ich noch nie gehoert und da bin ich echt froh drueber!

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Regenbogen an der Lagune in Airlie Beach

Im Autoradio lief auch nur so ein unverifizierbarer Kaudawelsch, so dass eigentlich mein iPod auf Hochturen fuer Ersatzprogramm sorgte: Interpol, Kashmir, Shout Out Louds und dann wieder ein paar Kapitel der Hoerbuecher “Fleisch ist mein Gemuese” und das exzellente zweite Buch von Bohlen, damit Anne neben mir einnicken konnte. Wir machten halt an kleinen – laut Lonely Planet “kleinen, urigen und gemuetlichen Fischerdoerfern”. Darunter stelle ich mir immer so ein kleines Dorf wie die tollen kleinen Orte noerdlich von San Francisco vor oder einen der kleinen Doerfer auf einer griechischen oder thailaindischen Insel vor: Eine kleine Strasse, am Hafen ein paar hellblau gestrichene Holzstuehle vor einem weissgestrichenem Restaurant. Im Hafen ziehen die Fischer ihre Netze auf und es wird eine nette, ruhige Musik gespielt. Auf einem mit Eisbedeckten Podest kann man sich einen der 50 Fische aussuchen und dazu einen Wein bestellen. Aber in Australien bedeutet kleiner, uriger Fischerort, dass man erstmal 5 Minuten an Garagen, Supermaerkten und Banken vorbeifaehrt, bis man an einer schmucklosen Hafenpromenade anstoesst und den Fisch bestellt man als Fishmac im McDonalds neben an. Entaeuschend!

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 Lagune von Airlie Beach 

Die letzte Stunde bis vor Airlie Beach sind wir im stroemenden Regen gefahren und dann wie eine Kaeseglocke ueber der Stadt – wieder Sonnenschein. Die Landschaft war trotzdem wieder einfach klasse. Hier in Airlie Beach ist der Himmel bewoelkt, das Meer trotzdem tuerkis leuchtend. Ein paar Segelschiffe liegen vor Anker. Auf den Bergen liegen Appartments und Hotels. Auf der Flaniermeile kann man nur unnuetzes Zeug fuer teures Geld kaufen oder eine Segeltour buchen. Dahinter liegt ein kurzer Gruenstreifen mit Wiese und ein paar Baeumen. Darin liegt die Lagune – wieder so ein Pool zum schwimmen. Dahinter das Meer und im Norden wird der Gruenstreifen von Strand abgeloest. Doch da man, wie schon ausfuehrlich beschrieben, nicht ins Meer kann, finden sich auch nur einige wenige Gestalten am Strand wieder. Airlie Beach ist wieder einer der touristisch erschlossenen Backpacker Bettenburgen. Jedes dritte Lokal scheint nichts anderes als Segeltouren oder sonstige Aktivitaeten aquirieren zu wollen.

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Segelschiffe und Mangroven vor Airlie Beach

Gestern abend sind wir in Airlie Beach ausgegangen. Hier soll es hoch her gehen, hatten wir gehoert. Es soll so der Ballermann Australiens sein – mit Party, netten Leuten, Bars und Clubs. Wir trafen auch zufaellig ein paar Bekannte aus Cairns und verabredeten uns in der Adresse schlecht hin – dem Beaches Backpackers. Hier gab es einen grossen Hof, direkt vor den Zimmern der Backpackers. Auf dem Hof waren ca. 15 lange Tische und Baenke aufgestellt, in der Ecke spielte jemand Gitarre und daneben eine kleine Bar. Alle Tische waren voll, denn hier trafen sich Gruppen zum Abschlussbeseufnis einer Whitsunday Island Cruise. Dieses sollte uns in 5 Tagen auch bevorstehen. Wir stellten uns an die Bar und bestellten zwei Bier – 10 Dollar. Ein wahres Schnaepchen fuer Australien. Wir setzten uns zu unseren Bekannten und lernten auch gleich ein paar neue Leute aus England kennen.

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Backpacker Idylle

Die Livemusik war nervig und wenn ich eines ueberhaupt nicht mag, dann sind es Bars und Clubs, wo man sich hinsetzt. Wer will sich denn abends hinsetzen? Keine gepflegte Bar-Steh-Moeglichkeiten sind scheisse. Gibt es was schlimmeres als sitzend gefangen zwischen den selben, langweiligen Leuten 2 Stunden verharren zu muessen? Man kann sich nur mit dem Nachbarn und den Gegenueber unterhalten, die anderen 150 Leute sind zwischen anderen Tischen und Baenken gebunden. Wenn man die kennenlernen moechte, musste man deren Nachbarn zum aufstehen bringen. Wer sind diese Leute, die am Wochenende wegegehen und sich in einer Bar an einen Tisch hinsetzen moechten? In Deutschland (meist in der Kulturwueste Muenchen) sehen diese so aus: Sie – Perlenohringe, Bluse und Halstuch. Er – Pullover-ueber-den-Hemdtraeger oder noch schlimmer: Pullover-ueber-den-Schultern-Traeger. Dazu wellige mittellange Haare unter Baseballcapie. Alternativ rosa Lacoste Hemd und barfuss in Lederslippern. Mir wird schon beim beschreiben uebel.

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Was kriechendes im Gras

Doch so waren die Leute hier gar nicht. Es gibt in Australien vielmehr gar nicht die Moeglichkeit sich anders zu verhalten – hinsetzen, zum Bier holen an die Bar gehen und schlechte Musik zu hoeren. Denn ueberall sonst herrscht Alkoholverbot und die Bars und Clubs sind halt eben oft scheisse. Wer Musikboxen mitgebracht hat, der bleibt im Hostel und trinkt heimlich den eigenen Alkohol.  Wie haben wir die tollen Abende in Thailand vermisst. Hier gab es in Doerfern, die weitaus kleiner als Airlie Beach waren, super nette Bars und Restaurant direkt am Meer. Das Essen war exquisite und die Preise waren guenstig. Die Auswahl war riesengross und selbst die illegal vertriebene und gespielte Musik war um laengen besser.

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Strand von Airlie Beach

Nachdem wir so einige Bier und Longdrinks (die in Australien immer sehr short sind) getrunken hatten und auch schon zweimal die Promenade nach betanzbaren Raeumlichkeiten ausgecheckt haben, musste ich immer wieder Vergleiche mit anderen Partyurlaubsorten ziehen. Und mir war bewusst, der ganze Revivalhipe um Australien – das Land kann es nicht halten. Wer es nur hier 12 Monate bei Work-und-Travel aushaelt, muss wahnsinnig langweilig sein, eine Menge Kohle haben und war noch nie in Thailand, Afrika oder Nordamerika. Nachdem die Bar noch vor 12 Uhr dicht zu machen drohte, fanden wir uns in einem kleinem Club wieder und hier wurde so ein alter Techno gespielt. Eine handvoll Leute tanzte. Und um ca. 1 Uhr gingen wir als wohl einer der Letzten im Ort ins Bett und ich war nichtmal angeheitert nach 5 Stunden trinken.

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Bar-Idylle im Magnums Airlie Beach

Am naechsten Tag gingen wir zweimal die Strasse rauf und runter, um ein Restaurant zu finden. Doch es scheint hier, wie an der gesamten Ostkueste wohl kein einziges gutes Restaurant zu geben. Oder diese sind gut versteckt.  Vieles ist halt auf Backpacker-Lowbudget getrimmt. Jetzt sind wir schon diese ca. 1500 km abgefahren und haben noch kein passables Fischrestaurant gefunden. Klar haben wir Lokalitaeten, die ein Einheimischer als Restaurant titulieren wuerde, gesehen und zum Teil auch aufsuchen muessen. Der Hunger trieb uns rein. Doch was dort so aufgetischt wurde, war selten geniessbar mit Ausnahme einiger indisch, thailaendisch oder chinisischen Buden. Fisch wird hier ausschliesslich im Biermantel tieffritiert dazu Pommes (man schmeckt kaum den Unterschied) und wenn man was anderes will, dann muss man Burger, Pizza oder ein Steak fuer 30 Dollar bestellen. Jetzt sind wir an einer der laengsten und fischreichsten Gebiete auf Erden und man kann nicht einmal einen gegrillten Fisch bestellen. In Thailand oder Kalifornien hat man oft Auswahl zwischen 20 verschieden Seefood und Fischgerichten und diese kosten auch noch die Haelfte wie ein Kirmesfisch hier.

Heute schieben wir ne ruhige Kugel und haengen den ersten Tag in 5 Wochen bewegungslos ab. Dann versuchen wir unser Glueck wieder heute Abend. Aber Anne wiegelte schon ab. Sie wolle nichtmehr Geld fuer teure Drinks und schlechte Stimmung ausgeben. Vielmehr im Hostel ein Buch lesen. Wenn das schon Anne sagt….

Aber wir freuen uns auf die Whitsunday Sailing Cruise. 450 Dollar sollen doch gut investiert sein in einem der besten Segelreviere auf Erden. Und ich freue mich auch endlich wieder ins Meer springen zu koennen. Hoffentlich klart noch der Himmer auf, dann gibt es auch wieder Fotos.

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