No Kind Words - mein Lieblingssong auf dem neuen Album der Maccabees. Das Lied fängt ruhig an bevor es nach diversen Tempoverschärfungen zum ultimativen Tanz- und Abrocksong des Jahres 2009 wird. Bis dann am Ende alle Infizierten mit herhobenen Zeigefinger jedes “If you’ve got no kind words to say //You should say nothing more at all” mitgröhlen, so auch im Kölner Palladium im letzten November, wo die Maccabees den Headlinern Editors die Show stahlen. Der neue Drummer trägt einiges dazu bei, dass die Songs um eine weitere Facette bereichert und häufig sehr tanzbar sind.
Weit gefehlt, wenn man jedoch annimmt, auf dem Album müßte man sich die Rosinen herauspicken – denn man findet auf der Platte keinen einzigen Lückenfüller. Was heute noch sehr selten vorkommt. Can give it und Love you better sind zwei weitere Hymnen der Extraklasse. Für die Aufnahmen verließen die Maccabees ihre Heimatstadt London und rekrutierten Produzent Markus Dravs, der zuvor mit Künstlern wie Björk und Coldplay gearbeitet hat. Jener war auch maßgeblich an der Produktion eines meiner Lieblingsalben beteiligt: „Neon Bible“ von Arcade Fires. Die gleiche dunkle mitreißende Kraft hat er nun der neuen Maccabees Platte verliehen. Young Lions ist auch in der langsamen, akustischen Version ein Highlight, in der normalen Fassung aber schlichtweg atemberaubend. In einem steten Wechsel zwischen Solo-und Komplett-Instrumentalisierung bewegt sich das Lied eingeleitet von einem tragenden Gitarrensolo hin zu einem überragendem Schlagzeugrhythmus am Ende.
Platz 2. Mastodon – Crack the Skye

Nach eingehendem Studium des Titelcovers meiner abonnierten Musikfachzeitschrift “Visions” (zeigt bizarre Klo-Aufnahmen der Band Mastodon mit nackten Bierbäuchen, grenzdebilen Fratzen und schlechten Ganzkörpertätowierungen) gibt es eigentlich keinen Grund, sich dieses Album anzuhören. Selbst eine Wahl in die Schönheiten der Ausgabe, ja sogar eine Plattenbewertung, wie sie zuletzt nur Trail of Death vor ein paar Jahren bekommen haben, machte mich eher noch mehr stutzig. Ist das Genre denn nicht tot?
Die Metal-Wurzeln sind zwar offensichtlich, doch die Vorbilder, die durch die bis zu 13 Minuten langen, hochverschachtelten Tracks geistern, sind andere: Aus dem Classic Rock und 70er Jahre Progbands der Sorte King Crimson aber auch starke Einflüsse von Pink Floyd, Rush, Faith No More oder Alice In Chains. Crack the skye beginnt mit den ersten Augenblicken des Openers Oblivion noch leicht zäh, nimmt aber alsbald Fahrt auf und erstaunt mit einem sehr klaren und leicht an einen frühen John Osbourne oder Layne Staley (Alice N Chains) erinnernden Gesang und einem überragendem Refrain. Auch “Quintessence”, obgleich nur fünf Minuten lang, hat so viele verschiedene Abschnitte und aufeinander abgestimmte Wendungen, dass man verwundert die Boxen seiner Anlage anstarrt und denkt: Allein aus dem Material aus dem dieses Meisterwerk geschnitzt wurde , hätten andere Bands drei Alben gemacht.
Nach ihrem Majoreinstand “Blood mountain” meldet sich die Band nun zurück und kratzt nicht nur vom Titel her am (Progmetal-)Firmament. Der Vorgänger war bereits ein interessantes Werk um das ein regelrechter Hype inszeniert wurde. Und auch dieses Mal hält man sich nicht gerade zurück. Auftritte bei Letterman und weitere Grammy Nominierungen folgten. Doch nun ist dieser Hype wirklich gerechtfertigt, denn das Quartett hat es geschafft, seine zweifellose musikalische Klasse zu fokussieren und ganz den einzelnen Stücken zu unterstellen. Selten war ein Prog-Metal Album zugänglicher und überhaupt von Beginn an mitreißender. Mit den ausgefeilten und filigranen Songs erreicht man nun auch eine Fangemeinde, die dem Genre eher mit Abneigung entgegentreten. Chris Walla (Death Cab For Cutie) verriet kürzlich in einem Interview, dass Mastodon eine der Bands sei, die er am meisten verehrt.
Platz 3. Wintersleep – Welcome to the Night Sky

Wie sagt man, wenn Bochum gegen Bayern spielt. Man muss über das Kollektiv kommen, kompakt stehen und beißen, beißen, beißen. Wie schrieb einst ein Bochumer Kolumnist in einer ruhrgebieter Lokalzeitung: Fan vom VFL Bochum zu sein, ist wie jede Woche von der Frau verlassen zu werden. Kampf als Verzweiflungsakt, der zu Höchstleistungen anspornt. “Welcome to the night sky”, der dritte Streich der kanadischen Wintersleep, ist eine solche Kollektivleistung. Eines von jenen, die zwischen all den hochglanzpolierten und produzierten musikalischen Rekorden in Etwas mittlerweile fast in Vergessenheit geraten sind. Ein Kollektivalbum. Eines, vom kleinem Ausseinseiter, der den zusammengewürfelten Superbands a la “Them Crooked Vultures” oder “Dead Weather” wieder gezeigt hat wo der Hammer hängt.
Dabei bauen Wintersleep nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf längst liebgewonnene Gesten des – sogenannten – Emo. Zum einen gibt es da den R.E.M. ähnlichen Hit “Astronaut”, die mehrschichtigen Gitarrengewitter von Archaeologists” und “Oblivion” sowie akkordeon- und gospelchorgetriebene Folk-Mitklatscher wie “Weighty ghost” – und noch so vieles mehr. Vieles hat man irgendwo schon einmal gehört und leider gibt es im Gegensatz zum Mastodon und Maccabees Album auch ein paar schlechtere Songs. Doch der überwiegende Teil ist einfach super! Bleibt abzuschließen mit dem Statement eines unbekannten Youtube-Hörers zum Titel “Dead letter and the infinite yes” – “This playing at my funeral”.
Platz 4. Biffy Clyro – Only Revolutions

Platz 5. Nephew – Danmark.Denmark.

Platz 6. Editors – In This Light And On This Evening

Platz 7. Julian Plenti – Julian Plenti is… Skyscraper

Platz 8. Yeah Yeah Yeahs – It’s Blitz!

Platz 9. Ghost of tom joad – Matterhorn
Platz 10. Built to spill – There is no enemy

Weitere Highlights:
the temper trap – conditions
the decemberists – the hazards of love
mumford and sons – sigh no more
sonic youth – the eternal
morrissey – years of refusal
slayer – world painted blood
manchester orchestra – mean everything to nothing
beirut – march of zapotec/ realpeople holland
phoenix – wolfgang amadeus phoenix
franz ferdinand – tonight
gossip – music for men
arctic monkeys – humbug
bill callahan – sometimes i wish we were an eagle